Betreff: Einladung zu einer Kreuzfahrt (gebundenes Buch)

ISBN/EAN: 9783627002411
Sprache: Deutsch
Umfang: 128 S.
Format (T/L/B): 1.7 x 21 x 13.4 cm
Einband: gebundenes Buch
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Ein Schriftsteller wird zu einer Kreuzfahrt eingeladen, nicht als zahlender Passagier, sondern als sogenannter 'Gastkünstler'. Ein anständiges Honorar, die Kabine mit Außenbalkon, freie Verpflegung und andere kostenlose Annehmlichkeiten können ihn aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in dem 18seitigen Begleitschreiben der Einladung ungeahnte Pflichten und darin allerlei Peinlichkeiten lauern, gerade für einen Schriftsteller, der die Einsamkeit liebt und nicht auf ein Schiff mit 5000 aufgedrehten und sonnenhungrigen Passagieren gehört. Doch er macht sich die Entscheidung nicht leicht und schreibt zum Vergnügen der Leser einen langen Antwortbrief an die Reederei, in dem er auf humorvoll-präzise Art die Absurdität einer solchen Kombination von Schriftstellerei und Kreuzfahrtschifffahrt offenlegt.
Bodo Kirchhoff, geboren 1948, lebt in Frankfurt am Main und am Gardasee. Zuletzt erschienen in der Frankfurter Verlagsanstalt seine von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeierten Romane »Die Liebe in groben Zügen« (2012), »Verlangen und Melancholie« (2014). Im Herbst 2016 erschien die Novelle »Widerfahrnis«, für die Bodo Kirchhoff mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde.
Sehr geehrte Frau Faber-Eschenbach, haben Sie Dank für Ihre Einladung zu einer zweiwöchigen Kreuzfahrt durch die Ka-ribik in einer Außenkabine mit Balkon unter der Bedingung mehrerer Lesungen aus meinen Werken, jeweils zur 'prime time', wie es in Ihrem Schreiben heißt, verbunden mit der Möglichkeit, eine Begleitperson meiner Wahl mit auf die Reise zu nehmen, ebenfalls samt Hin- und Rückflug nach Havanna auf Kosten der Reederei 'Arkadia-Line' - was soll ein Mensch dazu anderes sagen als Ja? Dennoch erlaube ich mir einige Gedanken vor einer Zusage, die, wie Sie hervorheben, möglichst umgehend erfolgen soll, auch wenn die Kreuzfahrt auf einem Ihrer Schiffe erst für die Zeit um die Jahreswende geplant ist, wir uns aber erst im Frühling befinden. Und die Eile, zu der Sie mahnen (Ihr Angebot traf während meines Abendspaziergangs ein, mit einem Anhang, der noch zu lesen wäre) wirft sogleich die Frage auf, wie Sie gerade auf meine Person kommen, sich also von Lesungen aus einem Werk, mit dem Sie sicher vertraut sind, für die Passagiere auf dem Schiff etwas versprechen, das ihnen die Reise wenigstens nicht verdirbt. Und daraus ergibt sich Frage zwei: Ob ich in der Auswahl der zu lesenden Stellen freie Hand hätte oder mich mit Ihnen abstimmen müsste; letzteres erschiene mir im Grundsatz falsch, wäre aber noch kein Hindernis für eine Zusage. Grundsätze, wenn ich das hier anmerken darf, soll man sich für Wichtiges aufheben; für eine Kreuzfahrt reicht die Nächstenliebe, die ja ohnehin nötig wäre, wenn ich in Betracht ziehe, dass auf jedem Ihrer Schiffe, wie man nachlesen kann, fünftausend Passagiere befördert werden, plus zweitausend Frauen und Männer der Besatzung (darunter möglicherweise auch Leser, man weiß es nicht), das heißt, eine für mich ungewohnte Anzahl von Menschen, mit denen das Reiseerlebnis zu teilen wäre.